Kindern eine Chance geben

Hilfe für körperbehinderte Kinder und junge Erwachsene in Vietnam

Warum Vietnam?

Vietnam hat einen ungewöhnlich hohen Anteil von Menschen mit schweren körperlichen Behinderungen (>15% der über 5-Jährigen!).
Ein Grund dafür liegt in der hohen Umweltbelastung durch Blei und Quecksilber sowie der Verschmutzung durch Kohlekraftwerke. Daneben führt die eingeschränkte medizinische Versorgung zu einer hohen Komplikationsrate bei der Geburt mit entsprechenden Folgeschädigungen wie z.B. der spastischen Cerebralparese. Daneben leidet die Bevölkerung immer noch unter den Spätfolgen des Vietnamkrieges, insbesondere aufgrund des von den U.S. Truppen eingesetzten hochgiftigen Entlaubungsmittel Agent Orange. Es verursacht genetische Schäden über Generationen hinweg mit teilweise schwersten körperlichen Behinderungen. Geschätzte 2 – 5 Millionen Vietnamesen kamen mit diesem Gift in Kontakt.
Bis in die 90-er Jahre bestand in Vietnam die orthopädische Versorgung grösstenteils aus der Behandlung von Frakturen und Infekten. Die Behandlung von erworbenen oder angeborenen Deformitäten, Arthrosen, Frakturfehlverheilungen oder Gelenksweichteilverletzungen werden teilweise auch heute noch als „Wohlstandsmedizin“ angesehen. Es gilt, das entsprechende persönliche Schicksal zu akzeptieren und damit verbundene wirtschaftliche und soziale Nachteile für die Familie zu verkraften.

Unser Projekt

Unter der Präsidentschaft von Michael Gorbatschow setzte sich die Hilfsorganisation Green Cross (Organisation zur Unterstützung von Opfern von umweltbedingten Gesundheitsschäden) in erster Linie für die Opfer von Tschernobyl ein. Die Schweizer Vertretung von Green Cross wollte sich für die Unterstützung von Vietnam stark machen und fragte im Jahre 2003 den international bekannten Basler Orthopädie-Techniker Dr. hc. Daniel Hueskes, ob er in Hanoi fünf behinderte Kinder behandeln könne. Nach einer ersten Bestandesaufnahme war für Daniel Hueskes klar, dass er sich nur im Rahmen eines regelmässigen Einsatzes sinnvoll einbringen konnte und es entstand in Zusammenarbeit mit der Orthopädistenschule in Hanoi (VIETCOT) das Projekt „Für die Kinder von Vietnam: Hilfe zur Selbsthilfe“.
Daniel Hueskes und sein ebenso früh involvierter Sohn und Orthopädie Techniker Benjamin erkannten rasch, dass viele der präsentierten Deformitäten mit orthopädietechnischen Massnahmen allein nicht befriedigend behandelt werden konnten. Es gelang ihnen, den operativ tätigen Basler Orthopäden Dr. Claude Müller für das Projekt zu gewinnen. Die deutschsprechende Vietnamesin Pham Thuy, welche die administrative Leitung des VIETCOT innehatte, wurde zu unserer wichtigsten Verbindungsperson. Ihre sprachlichen und fachlichen Kenntnisse, sowie ihr Verständnis für beide Kulturen, erwiesen sich als Glücksfall. Bis heute ist sie Dreh- und Angelpunkt für sämtliche unserer Aktivitäten.
Nach diversen schwierigen Anläufen etablierte sich eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem orthopädischen Rehabilitationsspital in Thai Nguyen (ca. 100 km nördlich von Hanoi). Bis heute bildet dieses Spital zusammen mit der Schule für Orthopädietechnik in Hanoi das Zentrum des Basler Hilfsprojektes.
Durch regelmässige jährliche Besuche von Daniel und Benjamin Hueskes sowie Dr. med. Claude Müller konnten zahlreiche Kinder und Erwachsene mit angeborenen und erworbenen Deformitäten erfolgreich behandelt und beraten werden. Auch Patienten mit Spätfolgen nach Verletzungen suchen ebenso häufig den Rat. Neben der eigentlichen Patientenbehandlung stellt die Ausbildung der örtlichen Ärzte einen wesentlichen Schwerpunkt des Projektes dar. Dies beinhaltet, einfache und für die örtlichen Ärzte verständliche Behandlungs-Schemen aufzustellen. Ebenso sollten die praktizierten Operationen mit den örtlich vorhandenen Materialien durchführbar, und somit für die Ärzte reproduzierbar sein.
Durch die immer wiederkehrenden Besuche und Verlaufskontrollen von schon behandelten Patienten ist ein für alle Seiten motivierender und nachhaltiger Lerneffekt festzustellen. Als Beispiel eines nachhaltigen Lernerfolges sei hier die Behandlung des angeborenen Klumpfusses erwähnt. Nachdem in den ersten Jahren vorwiegend Spätfolgen des ungenügend oder vollständig unbehandelten Klumpfusses operiert oder mit Hilfsmitteln versorgt werden mussten, investierte Dr. Claude Müller viel Energie in die Instruktion der Früherkennung und der manuellen Gipsredressionstechnik bei Säuglingen (PonsetiMethode). Dank aktivem Weiterverbreiten des Erlernten durch die vietnamesischen Ärzte gehört diese Technik inzwischen in weiten Teilen Nordvietnams zum Standard. Kinder mit unbehandelter Klumpfussdeformität werden entsprechend seltener.

Da die Mobilität und das aufrechte Gehen zu unseren primären Grundbedürfnissen des Alltags gehören, standen Probleme und Deformitäten der unteren Extremität während der Aufbauphase im Vordergrund. Im Verlauf der Jahre erwuchs bei den vietnamesischen Ärzten zunehmend der Wunsch, auch Patienten mit Deformitäten und Verletzungsfolgen der oberen Extremität besser helfen zu können. So verstärkte ein zweiter orthopädischer Chirurg mit dem Schwerpunkt der oberen Extremität Dr. Jiri Skarvan das Projekt. Bei zunehmendem Arbeitsvolumen ergänzen nun auch die Ärztinnen Frau Dr. Britta Broede (untere Extremität) und Frau Dr. Christiane Brinkmann (obere Extremität) das Team.
Neben der für unser Projekt nach wie vor zentralen Klinik in Thai Nguen etablierte sich eine feste Zusammenarbeit mit dem Spital von Hai Phong und dem Universitätsspital von Hanoi Viet Duc.

Stärken des Projektes

Mit einem kleinen Team wird der administrative Aufwand auf ein Minimum beschränkt. Wir verzichten bewusst auf Werbung, Briefversandt etc. um Kosten zu sparen. Durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit den gleichen Kliniken entsteht ein enges gegenseitiges Vertrauensverhältnis, Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit. Durch das Erarbeiten von klaren Behandlungsschemen unter Verwendung von an Ort vorhandenen Materialien ist das Erlernte reproduzierbar.

Bisherige Erfolge

Einführen der Früh- und Spätbehandlung von Klumpfüssen.
Verbesserung der Behandlung von Kindern mit Deformitäten mittels Prothesen und Stützschienen.
Einführen von Behandlungen von eingesteiften Gelenken (v.a. Knie und Ellbogen).
Operative Korrektur von Achsenfehlstellungen der Extremitäten.
Optimierung der Nachbehandlung nach chirurgischen Eingriffen (Ruhigstellung und Physiotherapie).
Die sichtbaren Erfolge führten zu einer guten Vernetzung in Nordvietnam inklusive des Universitätsspitals von Hanoi.

Unser Arbeitsalltag in Vietnam

Die Ärzte vor Ort sammeln geeignete Patienten. Im Rahmen einer Sprechstunde werden diese Patienten gemeinsam untersucht und Behandlungsvorschläge diskutiert. Dabei wird entschieden, welche Patienten mit Hilfsmitteln versorgt oder in den folgenden Tagen operativ behandelt werden. Im Rahmen von regelmässigen Aufenthalten von zwei bis drei Wochen pro Jahr werden an drei Standorten jeweils ca. 60 Patienten untersucht, wovon ca. ein Drittel orthopädietechnisch versorgt oder operativ behandelt werden.

 

 

Ohne ihre grosszügigen Spenden wäre die Erfüllung dieses Projektes nicht möglich. Wir bedanken uns für das freiwillige Engagement aller Beteiligten.
Vielen Dank für Ihre Spenden mit dem Zahlungszweck.

Dr. hc. Daniel Hueskes und Benjamin Hueskes (Orthopädietechnik)
Dr. Claude Müller, Dr. Jiri Skarvan, Dr. Britta Broede, Dr. Christiane Brinkmann (Praxis Leonardo, Klinik Birshof, Hirslanden)

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