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Hallux Valgus

DEFINITION/ENTSTEHUNG

Der Hallux valgus oder Ballenzeh ist das wohl häufigste Problem an den Füssen. Wie diese Fehlstellung entsteht, ist nicht ganz klar. Eine familiäre Vorbelastung und über Jahre getragenes enges Schuhwerk gelten als Teilursache der Veränderung.

Bei der Fehlstellung handelt es sich um ein Abknicken der Grosszehe nach aussen, wobei gleichzeitig der Mittelfussknochen nach innen abweicht (Abb. 1). Über dem Grundgelenk zeigt sich ein meistens schmerzhaftes Überbein. Es handelt sich dabei allerdings nicht um einen zusätzlich gewachsenen Knochen, sondern um das Köpfchen des ersten Mittelfussknochens. Die Druckbelastung durch die Schuhe wird schmerzhaft und führt häufig zur Ausbildung eines kleinen Schleimbeutels über dem Köpfchen, welcher zusätzlich Schmerzen verursacht. Das ebenfalls als sehr unangenehm empfundene Taubheitsgefühl oder Brennen der Grosszehe wird durch die Reizung eines Hautnervs verursacht, der über das vorgewölbte Köpfchen verläuft.

Durch die seitliche Abknickung verliert die Grosszehe ihre Stützfunktion für das Fussgewölbe. Der Druck, der beim Stehen und Gehen auf die Fusssohle wirkt, wird auf die benachbarten Mittelfussknochen verlagert. Dadurch entstehen häufig schmerzhafte Druckstellen und Verhornungen unter den Köpfchen des zweiten und dritten Mittelfussknochens. Diese Überlastung wiederum verursacht oft eine Schwächung der Gelenke der zweiten und dritten Zehe. Das Resultat sind Hammerzehen (Abb. 2). Dies erklärt die sehr häufige Kombination von Hallux valgus und Hammerzehen-Deformität.

SYMPTOME

Die meisten Patienten bemerken eine Fehlstellung. Häufig bildet sich eine Rötung über dem Überbein. Es können hier auch Druckstellen oder sogar Hautverletzungen durch das getragene Schuhwerk entstehen. Gelegentlich bestehen Schmerzen, diese sind jedoch ganz unterschiedlich und haben keinen direkten Zusammenhang mit dem Ausmass der Fehlstellung. Einerseits können stärkste Fehlstellungen überhaupt keine Schmerzen verursachen, andererseits können bereits leichtere Fehlstellungen starke Schmerzen auslösen.

Abb. 3: Röntgenbild mit Abweichen des ersten Mittelfussknochens

UNTERSUCHUNG

Bei der Untersuchung fällt die Fehlstellung der Zehen auf. Wichtig ist es, diese Fehlstellung im Stehen, also bei belastetem Fuss, zu beurteilen. Es können Rötungen, Druckstellen oder Hühneraugen sichtbar sein und es können sich veränderte Beschwielungsmuster an der Fusssohle zeigen. Im belasteten Röntgenbild sieht man das Ausmass des Abweichens des ersten Mittelfussknochens nach innen (Abb. 3).

BEHANDLUNG

Der Hallux valgus ist keine gefährliche Veränderung. Ob eine Operation notwendig ist, bestimmt nur der Schmerz und die dadurch eingeschränkte Mobilität und somit der Patient selber. Bei geringen Beschwerden oder bei rein kosmetisch störender Veränderung raten wir von der Operation ab. Das Ausmass der Fehlstellung alleine ist auch kein Grund zur Operation. Wenn eine anfänglich schmerzfreie Fehlstellung im Verlauf der Zeit zunimmt und vermehrt Probleme verursacht, ist eine operative Korrektur immer noch möglich und gerechtfertigt.

A) Nicht operativ
Konservative Behandlungen können die Fehlstellung zwar nicht rückgängig machen, aber gelegentlich helfen sie die Beschwerden zu vermindern. Es gibt diverse Hilfsmittel wie Zehenspacer, Schienen etc. welche probiert werden können. Manchmal macht es Sinn, Einlagen anzufertigen. Das Tragen von angepasstem Schuhwerk vermeidet die Entstehung von Druckstellen.

B) Operativ
Zur operativen Korrektur eines Hallux valgus gibt es eine Vielzahl von chirurgischen Techniken. Allen gemeinsam ist das Ziel einer möglichst exakten Wiederherstellung der normalen Anatomie, wie sie vor der Veränderung bestanden hat. Der schräg stehende Mittelfussknochen wird wieder aufgerichtet und stabilisiert. Dadurch kann die Grosszehe ebenfalls in eine korrekte Stellung gebracht und deren Stützfunktion wiederhergestellt werden. Die schmerzhaften Druckstellen an der Fusssohle werden damit meistens auch bereits entlastet.
Osteotomie: DiebeiunsamhäufigstenangewandteTechnikistdieSCARF-Os- teotomie (Abb. 4). Mit einem Knochenschnitt (Osteotomie) kann die geforderte Korrektur erreicht werden. Die durchtrennten Knochen werden bis zur stabilen Verheilung (sechs bis acht Wochen) von zwei kleinen Schrauben in Position gehalten. Alternativ wird gelegentlich bei nur leichter Fehlstellung die CHEVRON-Osteotomie, bei der nur eine Schraube eingebracht wird, angewendet. Die nach 3–4 Monaten funktionslosen Schrauben werden in aller Regel belassen, da sie nicht stören und biologisch unbedenklich sind. In den ersten 6 Wochen nach der Operation darf der Fuss im Vorfussentlastungsschuh (Abb. 7a) nach Massgabe der Beschwerden belastet werden.

Arthrodese: Bei stark ausgeprägter Fehlstellung der Grosszehe und/oder des ersten Mittelfussknochens, aber auch bei zusätzlichen Veränderungen der Gelenke, kommen gelegentlich andere Techniken der Korrektur zur Anwendung. Dazu zählen die Arthrodese (Versteifung) des Grundgelenkes der Grosszehe (Abb. 5) oder des ersten Mittelfussknochens (Abb. 6). In den ersten 6 Wochen nach der Operation darf der Fuss im Vacopedes (Abb. 7b) nur teilbelastet werden. Auch bei diesen Techniken ist das Ziel, wieder ein schmerzfreies Gehen zu erreichen.

Abb. 5: Arthrodese Grosszehengrundgelenk
Abb. 6: Arthrodese erster Mittelfussknochen (Lapidus)

RISIKEN UND KOMPLIKATIONEN

Komplikationen und Risiken können während oder nach der Operation auftreten und den Heilungsverlauf verzögern oder eine weitere Operation notwendig machen. Sie sind bei Operationen nie ganz auszuschliessen, auch wenn sie bei Fusseingriffen selten sind. Zusammengefasst sind dies:

  • Wundheilungsstörungen
  • Infektionen
  • Gefässverletzungen, Nachblutung, Bluterguss, Blutverlust
  • Verletzung von Nerven
  • Pseudarthrose (fehlende Knochenheilung)
  • Knochenbruch
  • Störendes Osteosynthesematerial (Schrauben, Platten)
  • Thrombose, Embolie
  • Restbeschwerden
  • erneute Fehlstellung

Leider hat die Operation des Hallux valgus zu Unrecht einen schlechten Ruf als sehr schmerzhafte und wenig erfolgreiche Prozedur. Viele Patienten wissen von entsprechenden Berichten aus dem eigenen Bekanntenkreis.
Tatsächlich ist die Korrektur der Hallux valgus-Fehlstellung eine anspruchsvolle Chirurgie, welche viel Erfahrung verlangt. In geübten Händen ist sie eine der erfolgreichsten Eingriffe in der Fusschirurgie.

NACHBEHANDLUNG

Die Operation ist nur ein Teil der ganzen Behandlung. Wesentlich zum Gelingen trägt die Nachbehandlung bei. Es ist wichtig, dass Sie wissen, was Sie beachten und eventuell vermeiden sollten.

Verband und Wundpflege
Während der Zeit im Spital wird Ihnen gezeigt, wie die Wunde zu pflegen ist. Solange die Wunde noch nicht ganz trocken ist (Wundsekret/Blut), sollte der Verband täglich gewechselt werden. Verwenden Sie keine Salben oder Puder direkt auf der Wundfläche, solange die Fäden noch nicht entfernt wurden! Eine Desinfektion ist nicht notwendig. Entfernen Sie immer den ganzen Verband beim Wechsel. Der neue Verband muss trocken sein und darf nicht verrutschen.
Wenn die Wunde trocken ist reicht ein normales Pflaster (Schnellverband). Eine elastische Binde kann das operierte Areal etwas schützen und polstern. Die noch vorhandene Schwellung wird dadurch auch reduziert. Wenn Sie nicht sicher sind, ob alles normal ist, können Sie sich an Ihren Hausarzt oder direkt an uns wenden.
Die Fäden können ca. 2 Wochen nach der Operation entfernt werden, in der Regel geschieht dies durch den Hausarzt.

Schwellung und Schmerzen
Nach einer Operation ist der betroffene Fuss stets mehr oder weniger geschwollen. Diese Schwellung kann über Wochen (bis zu 6 Monaten) immer wieder auftreten. Die wirkungsvollste Massnahme ist das Hochlagern des Beines. Zu Hause sollte während der ersten Wochen der Fuss häufig hochgelagert werden. Es ist sinnvoll, sich mehrmals am Tag zu bewegen (Gehen, weniger Stehen) aber nur für kurze Zeit. Wenn der Fuss spannt und zu schmerzen beginnt, ist dies ein Zeichen, das Bein wieder hoch zu lagern.
Wichtig zu wissen ist, dass generell nach Fussoperationen eine Schwellungsneigung des Fusses besteht. Diese Reaktion ist normal und verschwindet nach 6 bis 12 Monaten wieder.
Schmerzen im operierten Fuss können aber trotz dieser Massnahmen in den ersten Tagen und Wochen nach der Operation auftreten. Dagegen können Sie die von uns mitgegebenen Schmerzmittel einnehmen.

Belastung
Die erlaubte Belastung des Fusses richtet sich nach der durchgeführten Operation. Zum Schutz und zur Vereinfachung der Mobilität haben Sie einen speziellen Schuh erhalten (Abb. 7). Je nach Operation wurde eine Teilbelastung empfohlen oder eine Vollbelastung erlaubt. Am Anfang sollte das Aufstehen auf ein Minimum beschränkt werden. Zum einen besteht eine starke Schwellungstendenz des Fusses, zum anderen können durch zu langes Stehen und Gehen Nachblutungen im Wundbereich auftreten.

Vollbelastung
Sobald es die Schmerzen zulassen, können Sie den Fuss voll belasten. Es ist wichtig, dass der Spezialschuh während der ersten 6 Wochen konsequent getragen wird. Die Stöcke dienen hauptsächlich der Gangsicherheit und können langsam weggelassen werden.

Teilbelastung
Der Fuss darf mit etwa 25 kg belastet werden. Dies entspricht in etwa dem Gewicht des Beines und heisst, dass Sie immer die Stöcke benutzen müssen. Um dies korrekt umsetzen zu können, werden Sie von unseren Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen instruiert. Es ist wichtig, dass Sie mit den Stöcken auch einige Schritte auf der Treppe selbständig gehen können. Es ist wichtig, dass der Spezialschuh während der ersten 6 Wochen konsequent getragen wird und die Stöcke konsequent benutzt werden.

Körperpflege
Solange die Fäden noch in der Wunde sind, d.h. in der Regel in den ersten 2 Wochen, sollte der operierte Fuss mit einem Plastiksack geschützt werden. Am einfachsten wird der Plastiksack über den Spezialschuh gezogen. Sobald die Hautfäden entfernt sind, können Sie ohne weitere Vorsichtsmassnahmen duschen und baden.

Thromboseprophylaxe
Die Thromboseprophylaxe beginnt schon während des Spitalaufenthalts. Je nach Operation muss diese Prophylaxe weitergeführt werden. In den meisten Fällen kommen bei uns Clexane 40-mg-Fertigspritzen zur Anwendung. Sie werden einmal täglich vom Patienten selbst verabreicht. Sie werden während Ihres Aufenthaltes von unserem Pflegepersonal instruiert.
Wie lange die Spritzen verabreicht werden müssen, hängt von der Operation und den individuellen Risiken ab und ist bis zur Vollbelastung resp. bis zum stockfreien Gehen nötig. Dies kann bis zu 6–8 Wochen dauern.

Arbeitsfähigkeit
Nach einer Operation ist eine Ruhephase wichtig. In den ersten 2 Wochen sollten Sie sich schonen und nicht arbeiten. Wie lange Sie vollständig arbeitsunfähig sein werden, hängt zum einen von der Art der Operation und zum anderen von Ihrem Belastungsprofil ab. Es ist meistens auch möglich, zusammen mit dem Arbeitgeber vorübergehend eine weniger belastende Arbeit zu finden. So ist eine frühe Wiederaufnahme der Arbeit möglich.
Das Arbeitsunfähigkeitszeugnis, welches Sie von uns erhalten, ist eine vorläufige Einschätzung. Das Zeugnis kann verlängert werden, sollten Sie nach Ablauf dieser Zeit noch nicht in der Lage sein, die Arbeit wieder aufzunehmen. Sollte dies der Fall sein, melden Sie sich bei Ihrem Hausarzt oder bei uns.
Wenn Sie sich vor Ablauf dieser Zeit bereits wieder voll arbeitsfähig fühlen, können Sie die Arbeit auch vorher schon wieder aufnehmen.

Autofahren
Ab wann Sie wieder Auto fahren können, hängt von der Art der Operation ab. Solange der Fuss nicht voll belastet werden darf (resp. Sie Gehstöcke benutzen), müssen Sie auf das Autofahren verzichten. Wie weit danach die Fahrtüchtigkeit wieder gegeben ist, liegt im eigenen Ermessen. Wir empfehlen im Zweifelsfalle oder bei Unsicherheit das Auto noch stehen zu lassen.

Nachkontrollen
Sechs Wochen nach der Operation wird eine Röntgenkontrolle bei Ihrem Operateur erfolgen. Danach wird das weitere Vorgehen festgelegt. In der Regel können danach wieder eigene Schuhe getragen werden. Wir empfehlen zu Beginn Schuhe mit eher fester Sohle und weichem Oberleder.
Etwa drei Monate nach der Operation können die meisten Aktivitäten wieder aufgenommen werden. Sportliche Aktivitäten sollten langsam gesteigert werden, um nicht eine Überlastung nach der Sportpause zu provozieren.

 

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